Internationale Zusammenarbeit Vision und Austausch: 07. Treffen der Deutsch-Chinesischen Unterarbeitsgruppe Industrie 4.0

Semantische Interoperabilität und Künstliche Intelligenz im Fokus

Peking, November 2018. Konstanter Austausch als Schlüssel zum Erfolg: Bereits in der Vergangenheit haben beide Partner es geschafft, nationale Normungskonzepte für Industrie 4.0 zu harmonisieren und gemeinsam in die internationale Normung als gemeinschaftlich abgestimmte Ansätze einzubringen.

Die Errungenschaften der gemeinsamen bilateralen Zusammenarbeit in der Normung und Standardisierung unterstreichen das Potenzial, dass beide Länder haben, wenn gemeinsam an Lösungen für die Zukunft der Industrie 4.0 und intelligenter Fertigungsprozesse gearbeitet wird.

In dieser Tradition stand nun auch die am 21./22. November siebte Sitzung der Unterarbeitsgruppe Industrie 4.0 in Peking. In sechs Technischen Expertengruppen kamen Experten zusammen, um diese gemeinsamen Ansätze zu identifizieren und in abgestimmten Arbeitsplänen umzusetzen.

Die Verwaltungsschale als Schlüssel zur semantischen Interoperabilität

Durch den intensiven Austausch in der Unterarbeitsgruppe und den erzielten Ergebnissen, wie den zur Hannover Messe 2018 veröffentlichenden Harmonisierungsberichten zu den Referenzarchitekturmodellen RAMI4.0/IMSA sowie den Roadmaps zu Predictive Maintenance und IT Security Standards, konnte bereits im vergangenen Jahr ein wichtiger Meilenstein in Zusammenarbeit erreicht warden. Der nächste große Schritt besteht nun in der Definition geeigneter Datenstrukturen zum Austausch von Daten und deren festgelegter Bedeutung, welches als semantische Interoperabilität beschrieben wird. Wie die Verwaltungsschale eingesetzt und Daten zwischen Verwaltungsschalen strukturiert ausgetauscht werden können, wurde bereits in der vorangegangenen Sitzung auf Basis der Vorarbeiten der Plattform Industrie 4.0 und in der Normungsroadmap Industrie 4.0 vorgestellt. Für diesen Austausch wurde in Deutschland das Konzept der Verwaltungsschale entwickelt, welches nun in der bilateralen Kooperation für eine gemeinsame Position in der internationalen Normung abgestimmt werden soll.

Künstliche Intelligenz in der industriellen Anwendung

Zum ersten Mal wurde auch das Thema Künstliche Intelligenz auf die Agenda der Sitzung gehoben. In einer Kick-off Sitzung kamen unter Co-Vorsitz beider Länder (Christoph Legat Assystem Germany GmbH /(Dr. Wei Sha (CESI) erstmalig die Normungsexperten zur gemeinsamen Positionsbestimmung zusammen. Beide Seiten kamen über die Bedeutung des Themas überein und im kommenden Jahr die Zusammenarbeit in der Kooperation dauerhaft zu installieren. Hierzu wird ein Expertenkreis aus beiden Ländern eine gemeinsame Roadmap zu Künstliche Intelligenz in der industriellen Anwendung erarbeite und diese als gemeinsame Positionsbeschreibung in die internationale Normung einbringen.

Hier gesamter Überblick über die gemeinsam erzielten Ergebnisse der 6 aktiven Technischen Expertengruppen.

Die TEG Referenzarchitekturen konnte seit ihrem letzten Treffen im Mai 2018 erfolgreich ihren Bericht zur Angleichung der beiden Referenzarchitekturmodelle, Referenzarchitekturmodell Industrie 4.0 (RAMI4.0) und Intelligent Manufacturing System Architecture (IMSA2), in die ISO/IEC JWG 21 einbringen. Dieser Meilenstein der bilateralen Zusammenarbeit unterstreicht die hohe Bedeutung dieses Formats für die gemeinsame Arbeit in internationalen Normungsorganisationen. Ende dieses Jahres wird die JWG ihren Abschlussbericht vorliegen.

Die Task Force Standards Map, welche aus dieser Expertengruppe hervorging, arbeitet außerdem an einer vergleichenden Auflistung von Normen und Standards, um gegebenenfalls Normenlücken gezielter erkennen zu können. Basierend auf dieser Auflistung, vereinbarten beide Seiten gemeinsam die Erstellung an einer Roadmap, um die Angleichung von deutschen und chinesischen Normen aktiv voranzutreiben. Die Ergebnisse der Zusammenarbeit werden auf internationaler Ebene in die Arbeiten des IEC System-Komitee für Industrie 4.0 einfließen.

Um schon heute aktiv den Normungsbedarf von Morgen zu erkennen und zu adressieren, wurden bei dem Treffen zwei neue Expertengruppen gegründet. Die TEG Künstliche Intelligenz (KI) wird bis Ende 2019 eine Normungsroadmap für die Anwendung von KI in der Industrie 4.0 erstellen. Aufgrund des hohen Stellenwertes der semantischen Interoperabilität für Industrie 4.0, wurde eine neue TEG Verwaltungsschale/Industrie 4.0 Komponenten/Digitaler Zwilling gegründet.

Die TEG Expertengruppe IT-Sicherheit und Funktionale Sicherheit arbeitet derzeit an einem gemeinsamen Weißbuch für Sicherheitstests. Dieses soll bis Mitte 2020 fertig gestellt werden. Für den Bereich Funktionale Sicherheit ist die Arbeitsgruppe dabei, ein Weißbuch zum Thema Safety für Industrie 4.0 und Intelligente Fertigung zu erstellen. Der Entwurf soll Ende 2018 bereitstehen und eine zu veröffentlichende Version bis Ende 2019 fertiggestellt sein.

Basierend auf dem intensiven Austausch über die unterschiedlichen Ansätze für Testumgebungen, einigten sich die Experten der TEG Netzwerkkommunikation und Edge Computing darauf, die Möglichkeiten einer gemeinsamen Testumgebung zu eruieren. Hierzu soll bis zur nächsten Sitzung Mitte 2019 ein umfangreicher Bericht verfasst werden. Die gemeinsame Testumgebung soll vor allem klein- und mittelständischen Unternehmen offenstehen. Darüber hinaus einigte man sich auf eine engere Zusammenarbeit zum Thema Time Sensitive Networks (TSN) Profile in der IEC/IEEE 60802 sowie einem engeren Austausch zu den Empfehlungen der IEC SEG 8.

Nachdem die TEG Vorrausschauende Wartung bereits zur Hannover Messe 2018 ihre Normungsroadmap für vorrausschauende Wartung veröffentlicht und vorgestellt hatte, wird bis Ende 2018 eine überarbeitete Version fertig sein. Die zweite Version wird eine Verbesserung der funktionalen Struktur für vorrausschauende Wartung sowie neue Use Cases und einen Vorschlag für einen strategischen Standardisierungsansatz enthalten.

In der TEG Use Cases und Anwendungsbeispiele haben die Experten beachtliche Fortschritte erzielt. So soll bis Ende 2018 der Bericht zum Use Case „Usage Viewpoint Mass Customization“ fertiggestellt werden. Im Bereich Verwaltungsschale strebt man eine enge Zusammenarbeit mit der neu gegründete TEG zu diesem Thema an. In Zukunft wird die TEG außerdem neue Use Cases im Bereich Wertschöpfungsnetzwerke bearbeiten.

Über die UAG I4.0/IF:

Die Unterarbeitsgruppe Industrie 4.0 / Intelligente Fertigung ist der normative Handlungsstrang der Deutsch-Chinesischen Kommission zur Zusammenarbeit in der Normung (DCKN)

Normungszusammenarbeit im gemeinsamen Ansatz weiter zu identifizieren und den Austausch zu intensivieren. Unter der technischen Leitung des Standardization Council Industrie 4.0 und dem Sekretariat der Allgemeinen Gruppe für den Aufbau eines Normungssystems für Intelligente Fertigung im China Electronics Standardization Institute ermöglicht sie es nicht nur die Normungszusammenarbeit zu identifizieren sondern auch ein abgestimmtes Vorgehen in internationalen Gremien zu den Leitthemen von Industrie 4.0. Unterstützt wird die Arbeit des SCI4.0 hierbei vom Globalprojekt Qualitätsinfrastruktur der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH.

Mehr Informationen zu unseren Partnern des Globalen Qualitätsinfrastruktur Projekt der GIZ finden Sie hier: www.gpqi.org/

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