Deutschland und China: Ein gemeinsamer Motor für Industrie 4.0 und Intelligente Fertigung

Vizeministerkonferenz und 02. Deutsch-Chinesisches Symposium zur Intelligenten Fertigung und Vernetzung

Peking, November 2018, Zum Ende des Jahres zeigen sich beide Partner im Rahmen der Vizeminister-Konferenz und dem zweiten Deutsch-Chinesischen Industrie 4.0-Symposium sehr zufrieden mit den Ergebnissen der laufenden Zusammenarbeit und zeigen sich als gemeinsamer Motor für Industrie 4.0 und Intelligente Fertigung. Insbesondere in Bezug auf die Harmonisierungsansätze in der Normung zu Industrie 4.0 tragen die Arbeiten Früchte und werden noch deutlich konkreter

Am 19. und 20. November 2018 fand in Peking, China das zweite Deutsch-chinesische Industrie 4.0-Symposium im Rahmen der Vizeminister-Konferenz statt. Inhaltlich verband das Symposium die drei Stränge der bilateralen Kooperation mit China zu Industrie 4.0, Normung und Forschung. Das Treffen mit zwei deutschen Staatssekretären und zwei chinesischen Vizeministern ist der vorläufige Höhepunkt eines Jahres mit intensivem inhaltlichem Austausch.

Vier Ministerien verknüpfen und erweitern die Themen

Das „Zweite Deutsch-Chinesische Symposium zur Intelligenten Fertigung und Vernetzung“ steht für einen länder- und politikfeldübergreifenden Austausch: die Einladung erfolgte durch das chinesische Ministerium für Industrie und Informationstechnologie (MIIT) sowie das chinesische Ministerium für Wissenschaft und Technologie (MoST). Das Symposium wurde auf deutscher Seite begleitet durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Unterstützt werden die Ministerien hierbei vom Globalprojekt Qualitätsinfrastruktur der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH.

Die Themen auf der Agenda waren breit gefächert: Es wurde über die konkrete Zusammenarbeit chinesischer und deutscher Unternehmen im Bereich der intelligenten Fertigung sowie der Vernetzung der Produktionsprozesse gesprochen und gemeinsame Förderprojekte vorgestellt und ausgezeichnet. In einer von beiden Seiten hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion war man sich vor allem darin einig, das insbesondere Deutschland und China gemeinsam in ausgewählten Bereichen mittels Forschung und Entwicklung innovative Lösungen für globale Herausforderungen finden können. So habe man allein in diesem Jahr für die Zusammenarbeit auf dem Gebiet von Industrie 4.0 und Smart Services, vier gemeinsame Forschungsverbünde gestartet. Die Projekte orientieren sich am Bedarf deutscher Unternehmen und entwickeln anwendungsnahe Lösungen für eine spätere wirtschaftliche Umsetzung.

Gemeinsamer Motor für Industrie 4.0 und Intelligente Fertigung

Am zweiten Tag des Symposiums standen die wirtschaftlichen und technischen Themen im Vordergrund. So griff das Subforum zur Normung und Standardierung die bisherigen konkreten Ergebnisse der Kooperation auf, und intensivierte den Diskurs zu wichtigen neuen Themen im Kontext ihrer Zusammenarbeit. In ihren eröffnenden Worten betonten die politischen Vertreter beider Seiten, Herr Boris Böhme (BMWi, Referatsleiter, Referat Anlagen- und Produktsicherheit) und Herr Wang Hong (Referatsleiter, Referat für technische Geräte MIIT), die Errungenschaften der gemeinsamen bilateralen Zusammenarbeit in der Normung und Standardisierung und unterstrichen das Potenzial, dass beide Länder haben, wenn gemeinsam an Lösungen für die Zukunft der Industrie 4.0 und intelligenter Fertigungsprozesse gearbeitet wird. Die Ergebnisse der Zusammenarbeit zeigen, dass man gemeinsam der Motor für die Moderne Fertigung sein kann. Konkrete und wichtige Ergebnisse, seien unter anderem: die Einigung zur Angleichung der deutschen und chinesischen Referenzarchitekturmodelle. Durch standardisierte und vereinheitlichte Referenzarchitekturen können Industrie 4.0-Lösungen grenz- und herstellerübergreifend ihren vollen Nutzen erzielen. Ein weiterer Meilenstein im letzten Jahr ist die Veröffentlichung des ersten deutsch-chinesischen Weißbuches zur Normung und Standardisierung in der IT-Sicherheit.

In einem gemeinsamen Vortragspart stellten Yang Jianjun, Vize-Präsident China Electronics Standardization Institute (CESI) und Dr. Jens Gayko, Geschäftsführer Standardization Council Industrie 4.0, die Entwicklungen in der Normung und Standardisierung in der Industrie 4.0 / Intelligenten Fertigung in Deutschland und China vor. Beide hoben in ihrem Vortrag nochmals hervor, dass ein internationaler, konsensbasierter Prozess für die Normung und Standardisierung von Industrie 4.0 unerlässlich ist. Man müsse sich von nationalen Insellösungen frei machen, um in Zeiten einer globalisierten, digitalisierte Weltwirtschaft zu bestehen.

Zu diesen Herausforderungen und derzeit heiß diskutierten Themen gehört, neben der smarten Vernetzung von Assets[1], das Thema der Anwendungen für Künstliche Intelligenz (KI) in Industrie 4.0.

In einer spannenden Keynote zeigte Christoph Legat, deutscher Lead Expert der KI-Arbeitsgruppe in der Normungskooperation und Vertreter der Plattform Industrie 4.0, wie dieser bevorstehende Durchbruch von KI-Technologien die Möglichkeiten erweitert, Daten zu analysieren und Produktionsabläufe zu beaufsichtigen. Dank Vernetzung und Digitalisierung ist es allen Akteuren möglich, über Wertschöpfungsketten und den gesamten Produktlebenszyklus nahtlos zusammen arbeiten. Der Einsatz des digitalen Abbildes der Smart Factory im Datennetz schafft Transparenz entlang des gesamten Wertstroms. Dies ist eine der Erfolgsgrundlagen von Industrie 4.0.

Im Vortrag wurde nochmals deutlich, wie auf deutscher Seite die Plattform Industrie 4.0, Labs Network Industrie 4.0 und Standardization Council zusammen arbeiten, um die passenden Lösungen zu entwickeln und zu erproben.

Auch das Thema rund um Datenschutz und Datensicherheit hat derzeit Hochkonjunktur im bilateralen Austausch mit China und wurden im Impulsvortrag von Dr. Dennis-Kenji Kipker, Experte im deutschen CERT@VDE, adressiert. Nach einer kurzen Einführung in die Datenschutzprinzipien und den damit einhergehenden Herausforderungen für datenverarbeitende Stellen ging Kipker auf Fragen des Datenschutzmanagementprozesses ein, um abschließend den Bogen zum Datenschutz im chinesischen Cyber-Sicherheitsgesetz zu schlagen.

Einen Einblick in die tiefgreifenden Veränderungen der Wertschöpfungsstrukturen in den Unternehmen und die durch Datenrelevanz resultierende Verlagerung auf Plattformen und Smart Services, gewann das Auditorium während des Impulsvortrages von Dr. Ulrich Löwen, deutscher Lead-Expert für den Bereich Use Cases und Anwendungen. In seinem Vortrag hob er ebenfalls die Bedeutung Normung und Standardisierung hervor, und hielt fest das datenbasierte Geschäftsmodelle nur dann gelingen können, wenn der Datenaustausch nach einheitlichen Standards erfolge.

Konstanter Austausch als Schlüssel zum Erfolg
Mit den bisherigen Arbeiten konnten bereits gute Erfolge in den Harmonisierungsbestrebungen beider Länder erzielt werden. Auf beiden Seiten ist man sich einig, dass das Fundament für noch intensiveren Austausch sein kann und sein muss. Der Ansatz des konstanten bilateralen Dialogmechanismus wurde nun mit der siebten Sitzung der Unterarbeitsgruppe Industrie 4.0 / Intelligente Fertigung, die im Anschluss am 21. und 22. November in Peking stattfand, fortgesetzt.
Sie ist der zentrale, bilaterale Dialogmechanismus und dient als ideale Plattform, um Bedarfe für die Normungszusammenarbeit im gemeinsamen Ansatz weiter zu identifizieren und den Austausch zu intensivieren. Unter der technischen Leitung des Standardization Council Industrie 4.0 und dem Sekretariat der Allgemeinen Gruppe für den Aufbau eines Normungssystems für Intelligente Fertigung im China Electronics Standardization Institute ermöglicht sie es nicht nur die Normungszusammenarbeit zu identifizieren sondern auch ein abgestimmtes Vorgehen in internationalen Gremien zu den Leitthemen von Industrie 4.0. Unterstützt wird die Arbeit des SCI4.0 hierbei vom Globalprojekt Qualitätsinfrastruktur der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH

 

[1] Details of the Administration Shell - Part 1: The exchange of information between partners in the value chain of Industrie 4.0; Release V1.0” https://www.plattform-i40.de/I40/Redaktion/DE/Downloads/Publikation/2018-verwaltungsschale-im-detail.html

 

Zurück